Portrait Dr. Andreas Thust

Dr. Andreas Thust

Zur Person

Portrait Dr. Andreas Thust

Vorwort

Seit vielen Jahren gestalte und betreue ich in meiner Freizeit die Webseiten von Psycho­therapeuten. Dabei habe ich mir auch die Seiten von Mitbewerbern ange­sehen und mich oft gewundert, wie wenig die dort auftretenden Therapeuten von sich selbst preisgeben. Es gibt kaum eine Web-Site, auf der nicht die große Bedeutung der thera­peu­tischen Be­ziehung zum Gelingen einer Therapie hervorgeho­ben wird. Zu Recht! Gleichzeitig bekommen potentielle Klienten kaum Infor­mationen über den/die Thera­peuten/in. Oft werden nur die Aus­bil­dungsschritte des Werdegangs auf­gelistet. Diese sind aber bei vielen Therapeuten ohnehin wenig unter­scheid­bar. Potentielle Klienten können so im Vorfeld sehr schlecht einschätzen, wie jemand als Person „so tickt“ oder „drauf ist“. Nicht jeder passt zu jedem, es gibt durchaus Charaktere, die besser zu­sammenpassen, oder eben auch weniger gut. Deshalb habe ich mich bewusst entschieden, hier ausführ­licher als üblich über mich und meine Motivation zu schreiben. Natürlich kann eine subjektive Selbstbe­schreibung auf einer Webseite niemals den persön­lichen Kontakt ersetzen. Aber eine Vorauswahl im Sinne von „Der könnte möglich­erweise zu mir passen“ wird so viel­leicht ein wenig erleichtert.

Kindheit und Jugend in den Alpen

Ich wurde 1962 in Wien geboren und besitze bis heute noch die österreichische Staats­bürgerschaft. Tatsächlich aufge­wachsen bin ich tief in den Bergen des Pinzgaus im Bundesland Salzburg. Die Erhaben­heit der Natur, die majestätischen Gipfel, die Gletscher, der glitzernde Schnee, die Almen und die urtümlichen Bräuche haben einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

Strichzeichnung Berge

Neben diesen positiv-romantischen Gesichts­punkten gab es auch die weniger erfreulichen Strömungen des Konserva­tivismus und des Katholi­zismus, die in den 60er und 70er Jahren in den hintersten Tälern Österreichs intensiver und länger als sonst wo ihr Unwesen trieben. Dies war nicht nur für mich extrem herausfordernd. Einer meiner Lieb­lings­autoren, der bekannte Schrift­steller Thomas Bernhard, hat diese wenig bekömm­liche gesell­schaftliche Ge­menge­lage in seinen Werken sehr ein­drücklich beschrie­ben. Insgesamt hat diese Zeit mein seelisches Innenleben mitsamt meiner heute noch zu erspürenden österreich­ischen Mentalität stark geprägt. (Ich habe allerdings keinen öster­reich­ischen Akzent mehr.)

Physik als Berufung      

Schon in meiner Jugendzeit in den 70er Jahren hatten sich bei mir zwei Haupt­interessens­gebiete heraus­kristal­lisiert: Natur­wissen­schaft und Psycho­logie. Neben den damals sehr verbreiteten Büchern zu den „Segnungen“ der Atomkraft und der Weltraumfahrt habe ich bereits als 16-jähriger Bücher des öster­reichischen Arztes und Psycho­thera­peuten Viktor E. Frankl zu seiner Logotherapie gelesen. Auch an Freud, Adler und Jung habe ich mich dann im späteren Jugendalter versucht. Letztlich habe ich mich aber für die Physik entschieden, da ich zum einen „das Komplizierteste, das es gibt“ machen wollte und es zum anderen damals noch keine Ausbildung zum Psycho­therapeuten im heutigen Sinne gab.

Schließlich habe ich in den 80er Jahren Physik an der Universität zu Köln und an der RWTH Aachen studiert. Nach der Doktorarbeit an der (damals noch so genannten) Kernforschungs­anlage Jülich und der Promotion an der RWTH Aachen bin ich 1994 in die Niederlande gezogen. Dort war ich zwei Jahre am zentralen Forschungs- und Entwicklungs­standort des Philips Konzerns, an den Philips Research Laboratories in Eindhoven, tätig. Schließlich bin ich ans Forschungs­zentrum Jülich gewechselt, wo ich am dortigen Ernst Ruska-Centrum (ER-C) bis 2025 eine auf ihrem Gebiet inter­national führende For­schungs­gruppe geleitet habe. Mein Fachgebiet war die hoch­auf­lösende Trans­mis­sions­elek­tronen­mikro­skopie (HRTEM). Das ist eine Material­unter­suchungs­methode, die es ermög­licht, das Innerste der Materie Atom für Atom zu betrachten. Ich habe daran mitgewirkt, diese Methode entscheidend weiter­zu­entwickeln. Dafür muss man tief in die Quanten­mechanik eintauchen – wobei „muss“ für mich das falsche Wort ist: Es hat mich mit Begeisterung erfüllt! Bis heute empfinde ich eine tiefe Faszination für die wundersame Quantenwelt.

Dr. M.J.L und Dr. Andreas Thust bei einer wissenschaftlichen Erörterung an der Tafel
Die Kollegen Dr. M. L. und Dr. A. Thust beim Denken

Meine Zeit in der Forschung war faszinierend, intensiv und erfüllend. Es ist schwierig, dies in diesem kurzen Abriss auch nur annähernd zu beschreiben. Ich habe meine frühere Tätigkeit des Öfteren als „Hochleistungssport für den Kopf“ be­schrieben, da man angehalten ist, auf sehr anspruchsvollem Niveau stets Neues zu produzieren und sich dabei gegen inter­national tätige und nie ruhende Konkurrenz zu behaupten. Für einen groben Eindruck führe ich hier einige Highlights in Stichwortform an: Richtungs­weisende For­schungs­arbeiten, Ent­wicklungen und Erfin­dungen, insgesamt tausend­fach zitierte Publi­kationen bis hinauf zu den weltweit renom­miertesten Wissen­schafts­journalen (z.B. Nature), Zuerkennung einer Reihe weltweiter Patente, Verfassen von Buch­beiträgen, maßgebliche Mitwirkung an der Bean­tragung und Durchführung von Groß­vorhaben in hoher zwei­stelliger Millionen­höhe, ungezählte Ein­ladungen zu Vortrags­reisen auf alle fünf Kontinente, darunter alleine zwei Dutzend Reisen in die USA, Forschungs­aufenthalte und Gast­profes­suren an führen­den Instituten weltweit, Begeg­nungen mit Nobel­preis­trägern, etc.

Besondere Höhe­punkte waren die Aus­zeichnung mit dem international renom­mierten Ernst-Ruska-Preis sowie die alleinige Klärung eines historischen und 15 Jahre lang ungelösten Mysteriums der Elek­tronen­mikro­skopie, des Stobbs-Faktor Problems. Das wahr­schein­lich Unge­wöhn­lich­ste, das ich während meiner Laufbahn gemacht habe, war ein streng geheimer Forschungs­aufenthalt auf einer Luft­waffen­basis einer großen Nation jenseits des Atlantiks :-)

Und nein: Ich bin kein Nerd – und falls ich es doch ein klein wenig sein sollte, dann eher in einer positiven Ausprägung :-) Viele Menschen denken, Natur­wissen­schaftler seien welt­fremde Sonder­linge, die abge­schottet in ihrem Elfenbeinturm hocken und nicht so gerne kommunizieren. Das mag zu einem Teil noch stimmen, ist in der Gegenwart aber eher untypisch geworden. Wer in diesem Metier erfolgreich sein will, muss ein gut vernetzter Kommunikator sein. Auch das sorgenfreie Leben im Elfenbein­turm ist ein Klischee: Leistungs­druck, nervenaufreibende Groß­pro­jekte, zwischen­mensch­liche Konflikte und strate­gische Machenschaften gibt es in der Wissen­schaftswelt ebenso wie anderswo. Ich kenne das reale Berufsleben also gut von innen. Durch meine lange Laufbahn bin ich vielleicht nicht mit allen sprichwörtlichen Wassern gewaschen, aber doch mit ziemlich vielen.

Psychologie als Berufung              

Manche werden sich jetzt vielleicht fragen, wie es möglich ist, zwischen zwei so verschiedenen Metiers wie Physik und Psychologie zu wechseln. Die einfache Antwort ist: Ich habe es nie wirklich als Wechsel empfunden. In gewissem Sinne lief vieles schon lange Zeit parallel: Wie ich erwähnt habe, war ich schon seit meiner Jugendzeit stark an Psychologie interessiert. Es ist deswegen auch nicht ganz verwunderlich, dass eine Psychologin zu meiner Ehefrau geworden ist. Da mich die beruflichen Belange meiner Frau sehr fasziniert haben, habe ich aus purer Begeisterung mit ihr zusammen auf ihre Prüfung zur psycho­logischen Psycho­therapeutin gelernt und später auch bei der Gründung ihrer Privatpraxis mitgeholfen. Mehr als ein Jahrzehnt lang habe ich mich dann neben meinem Beruf um viele Aspekte des Praxis­managements gekümmert, sodass das eigentliche Therapieren irgend­wann fast das einzige war, das ich noch nicht selbst gemacht hatte.

Als während der Corona-Pandemie mein 60. Geburtstag näher kam, wurde mir zu­nehmend bewusst, dass mir die automatisch anstehende Berufs- und Lebens­perspektive – nämlich noch wenige Berufsjahre zu haben und dann Rentner zu werden – nicht so wirklich behagte. In dieser Zeit hatte ich die Idee, meinen zweiten Jugendtraum zu verwirklichen und meiner Leidenschaft für Psychologie zu folgen. Also habe ich ordentlich Anlauf genommen und mir zusätzlich zu meiner Tätigkeit als Physiker über einige Jahre hinweg das Wissen zum Heilpraktiker für Psychotherapie angeeignet. Die amtliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psycho­therapie habe ich dann im Sommer 2024 durch Prüfung vor dem Gesundheits­amt Köln erworben. In den Jahren 2023 und 2024 habe ich parallel dazu eine Ausbildung in modernen Methoden der Verhaltens­therapie gemacht. Dank dieser früh begonnenen und langfristig angelegten Vor­bereitungen ist mir später ein nahezu nahtloser Übergang zu meiner jetzigen Tätigkeit gelungen.

Meine Wahl der Verhaltenstherapie als Kernmethode deckt sich in vielerlei Hinsicht mit meiner vorigen Tätigkeit als Natur­wissen­schaftler. Als solcher ist man angehalten, mit evidenzbasierten Methoden möglichst objek­tive Erkenntnisse zu gewinnen. Dazu passt, dass die Verhaltens­therapie durch­gehend logisch, transpa­rent und realitätsnah konzipiert ist. Zudem ist die Verhaltens­therapie unter den psycho­thera­peu­tischen Aus­richtungen die bei Weitem am gründlichsten erforschte und in ihrer Wirksamkeit am besten belegte Methode.

Abgesehen von der Passung in der Methodik sehe ich einige Eigenschaften, die für einen Physiker wichtig sind, auch für einen Therapeuten als nützlich an. Dazu zähle ich: Offenheit für Neues, Freude an eigen­ständigem und kreativem Denken, genaues Beobachten, Fähigkeit zur Analyse komplexer Zusammen­hänge, Fähigkeit zur ganz­heit­lichen Betrach­tung, Konzentration auf das Wesent­liche, und nicht zuletzt: Geduld.

Es gibt aber auch eine Fähigkeit, die ich bei Therapeuten für unverzichtbar halte, und die ich in der Naturwissenschaft eher selten angetroffen habe: Das Interesse am Gegenüber gepaart mit der Fähigkeit zu Empathie, menschlicher Kompetenz und seelischer Wärme! Umso mehr freut es mich, mit meiner jetzigen Tätigkeit nun auch menschlich-emotionale Akzente setzen zu können und so das jeweils Beste aus zweierlei Welten zum Nutzen meiner Klienten verbinden zu können.